Unser blista Praktikant

Unser blista Praktikant

Unsere Auszubildende Samira Bleser hat ein spannendes Interview mit unserem Praktikanten Willy Helber geführt. Er kommt zu uns von der Blindenschule blista in Marburg, wo er eine Ausbildung zum Anwendungsentwickler macht. Er lebt mit einer Sehbehinderung, die durch eine normale Brille nicht ausgeglichen werden kann. Was das für ihn bedeutet und wie er u.a. sein Sichtfeld beschreibt könnt ihr in unserem Interview lesen.

Samira: Hallo Willy und nochmal ein herzliches Willkommen in unserem Team. Wir freuen uns dich in den nächsten Monaten bei uns zu haben. Um dich und deine besondere Arbeitsweise besser kennenzulernen haben wir ein paar Fragen vorbereitet. 

Samira: Wie alt bist du und woher kommst du?

Willy: Ich bin 28 Jahre alt und wohne zurzeit in Marburg in einer WG der blista.

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Samira: Was machst du gern in deiner Freizeit?

Willy: Wie fast jeder Informatiker: zocken! Aber auch sehr viel Sport, Schwimmen und Krafttraining. Ansonsten gehe ich gerne raus und treffe mich mit Freunden oder besuche das Kino.

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Samira: Wie gefällt dir das Zusammenleben in einer WG bei der blista?

Willy: In der WG ist es sehr entspannt. Vorher habe ich allein in Gießen gewohnt und in der WG wird einem viel Arbeit abgenommen, wie beispielsweise durch eine Reinigungskraft die zwei Mal in der Woche kommt. Zudem bekommt man dort einen Betreuer zugeteilt der regelmäßig vorbeischaut, allerdings würde ich das nicht unbedingt benötigen. Aber alles in allem ist es sehr schön dort, man hat große Zimmer und kann einen Garten nutzen. Unsere Gruppe besteht aus Informatikern und so kann man sich natürlich super untereinander austauschen und auch zusammen lernen.
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Samira: Wieso hast du dich für die Ausbildung als Anwendungsentwickler entschieden?

Willy: Da muss ich 16 Jahre zurück gehen. Da habe ich meinen ersten PC bekommen und es hat mir da schon großen Spaß gemacht, etwas auszuprobieren und zu schauen was man mit HTML und CSS so verändern kann. Ich wollte meine eigene Webseite basteln und habe somit begonnen mich mit diesen Themen zu beschäftigen.
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Samira: Wie kannst du uns dein Sichtfeld beschreiben?

Willy: Ich habe keinen Vergleich, aber ich würde denken man kann es mit der Sehschärfe beschreiben. Man muss sich vorstellen man hat ein Bild in einer schlechten Auflösung und man kann dort keine Schrift lesen oder Details genau erkennen. Ich würde sagen, dass einfach alles viel unschärfer ist.
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Samira: Schränkt dich deine Sehbehinderung im Alltag oder auf der Arbeit merklich ein?

Willy: Beim Programmieren habe ich am PC eine Vergrößerungs-Software und bis auf, dass ich gefühlt nur halb so schnell wie alle anderen lesen kann, finde ich, dass ich sehr gut zurecht komme bei der Arbeit. Aber im Alltag merkt man es beim Einkaufen beispielsweise, dort erkennt man vielleicht nicht sofort die Produktbezeichnung oder die Preise. Dort sucht man dann etwas länger, aber es gibt Mittel und Wege wie man das händeln kann. Eine große Hilfe ist dabei mein Handy, damit kann ich mit der Kamera schnell Sachen vergrößern. Vor der Smartphone-Zeit war an dieser Stelle dann eine klassische Lupe oder ein Monokular im Einsatz. (Mit Monokular wird ein optisches Instrument bezeichnet, das für das Betrachten eines Gegenstandes mittels eines einzelnen Auges konzipiert ist.)
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Samira: Hast du besondere Hilfsmittel auf der Arbeit oder nutzt du dieselbe Hardware wie deine sehenden Kolleg*innen? (Spezielle Tastatur etc.)

Willy: Ich nutze die gleichen Dinge wie meine Kolleg*innen auch, nur mit dem Unterschied, dass ich mir die Sachen mit der Lupenfunktion vergrößern muss.

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Samira: Was sind deine beruflichen Pläne für die Zukunft?

Willy: Auf jeden Fall am PC arbeiten. Ich bin mir nicht sicher, ob es unbedingt der Beruf des Entwicklers bleibt. Eigentlich macht mir Webprogrammierung sehr viel Spaß, aber es gibt auch Spezialisten für SQL oder JavaScript. Also diese Richtung steht für mich noch nicht fest. Aber der PC ist definitiv fest eingeplant, allein schon, weil ich mir dort alles einfach vergrößern kann und somit mit wenig Einschränkung arbeiten kann.

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Samira: Vielen Dank Willy für das offene und spannende Gespräch. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dir und hoffen du kannst eine Menge bei uns lernen!



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